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Südengland

23.07. - 25.07.2011




:: München - Gatwick - Hever Castle - Battle - Hastings ::

Mein Wecker hat mich heute bereits um 6:30 Uhr aus den Federn geklingelt, aber da ich gestern schon früh mit Nina ins Bett bin, war das kaum ein Problem. Nach dem Duschen und Haare waschen habe ich meine beiden Lieben geweckt und dann mussten wir auch schon bald in Richtung Flughafen aufbrechen, wo ich um 8:30 Uhr mit Nicole vor dem Check-in-Bereich von easyJet verabredet war. Der Abschied von Nina und Christian verlief zum Glück kurz und (fast) schmerzlos. Ich hatte meine kleine Maus schon Tage vorher darauf vorbereitet, dass ich für drei Tage weg sein werde und sie hat es so akzeptiert. Na ja, ein wenig geschummelt habe ich am Flughafen indem ich gesagt habe "nachher holst du die Mama ja wieder ab". Wie gesagt, es gab glücklicherweise kein Geschrei und keine Tränen, so dass ich mich relativ schnell loseisen konnte - so ist auch mir der Abschied etwas leichter gefallen.

Nach einigem Rumgeirre bin ich dann um kurz nach halb 9 am verabredeten Treffpunkt angekommen, wo Nicole bereits auf mich gewartet hat. Wir sind beide das erste Mal mit easyJet geflogen und waren etwas irritiert von den Boardingpässen, die wir bereits gleich nach der Buchung ausdrucken konnten. Da wir nicht sicher waren, ob das wirklich schon die "richtigen" Tickets sind, haben wir uns kurz am Schalter angestellt und nachgefragt, wurden aber sogleich durch gewunken, d.h. wir konnten sofort weiter zum Sicherheitsbereich laufen. Na, wunderbar, ist ja wirklich praktisch, so kann man ordentlich Zeit sparen, wenn man - wie wir - nur Handgepäck dabei hat.

Am Gate verblieb gerade noch Zeit genug, um Getränke zu kaufen, als wir auch schon zum Boarding aufgerufen wurden. Bei easyJet gibt es keine Sitzplatzvergabe, d.h. jeder setzt sich dahin wo er möchte bzw. wo er einen freien Sitzplatz findet. Das Gedränge war ganz schön groß, aber uns war letztlich nur wichtig, dass wir nebeneinander sitzen, was auch ohne Probleme geklappt hat. Die knapp zweistündige Flugzeit haben wir uns mit Quatschen kurzweilig gestaltet und gegen … Uhr landeten wir schließlich überpünktlich in London-Gatwick. Diesen Flughafen hatte ich ausgewählt, da er sich ganz im Süden von London befindet, was für unsere Kurzreise mit der wenigsten Fahrerei verbunden war, da wir heute ja direkt runter an die Küste fahren wollten.

Wir mussten ein wenig suchen, um den Schalter von unserem Mietwagenanbieter Alamo zu finden - die Beschilderung war nach dem Ausgang etwas verwirrend (oder wir etwas ver(w)irrt?) - aber letztendlich hat alles recht fix geklappt und wir konnten unseren silbernen Peugeot 107 in Empfang nehmen. Das Auto war so winzig, dass wir selbst unsere beiden kleinen Trolleys, die wir als Handgepäck dabei hatten, nicht gemeinsam in den Kofferraum gekriegt haben, so dass Nicole ihren Koffer auf die Rückbank legen musste. Na ja, ansonsten war aber alles okay und ich hab es mir auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht. Anders als bei meinen letzten Reisen mit Freundinnen wollte ich diesmal nämlich ausnahmsweise nicht selbst fahren (macht mit fast 7-Monats-Bauch irgendwie nicht mehr ganz so viel Spaß ;-) und war froh, dass Nicole sich gleich bereit erklärt hat, das Fahren zu übernehmen.


Unser erstes Ziel, das Hever Castle bei Edenbridge, haben wir um kurz nach 13 Uhr erreicht und waren sogleich von der Anlage begeistert. In diesem kleinen, von einem Burggraben umgebenen Schloss wuchs im 16. Jahrhundert Anne Boleyn auf. Heinrich VIII, der sie später erst heiratete und dann hinrichten ließ, besuchte sie hier des öfteren, wenn er sich in Leeds Castle aufhielt (das ich, nebenbei bemerkt, während meiner Englandrundreise 2008 besichtigt habe). 1903 erwarb William Astor das Anwesen, ließ es restaurieren und daneben ein kleines Dorf im Tudorstil errichten, in dem Gäste und Personal untergebracht wurden. Graben und Torhaus, beide originalgetreu erhalten, datieren aus der Zeit um 1270.

Das Schloss selbst ist eher klein, aber es ist von einem riesigen Garten umgeben, in dem man locker einen ganzen Tag verbringen kann. Sogar einen großen See gibt es, auf dem man mit Ruderbooten fahren kann. Hier haben wir unsere Tour begonnen, übrigens bei strahlendem Sonnenschein, während es die Tage zuvor und auch bei unserer Abreise in Deutschland bitter kalt war und in Strömen geregnet hat - tja, so stellt man sich Urlaub vor! :-)

  Hever Lake

Hever Castle

 

Ganz gemütlich sind wir durch die "Italian Gardens" zum Schloss spaziert, vor dessen Eingang wir plötzlich von einer riesigen Menschenmenge umgeben waren. Erst dachten wir, die stehen alle an, um ins Schloss gelassen zu werden, aber dann haben wir zu unserer Freude festgestellt, dass wir gerade rechtzeitig zu einem der Highlights des heutigen Tages eingetroffen waren: Der König und seine Königin (Heinrich VIII und Anne Boleyn) wurden erwartet und sollten dann ihre "Gäste" zum Turnierplatz begleiten, wo um 14:15 Uhr - also in einer Viertelstunde - ein Jousting Tournament stattfinden sollte. Besser konnte es ja gar nicht sein! :-)

Nachdem das Königspaar direkt an uns vorbei geschritten ist, haben wir noch ein paar Fotos mit den vor dem Schloss versammelten Rittern gemacht und sind dann der Meute hinterher zum Turnierplatz gefolgt.


Am Rande des Turnierfeldes haben wir es uns auf der Wiese gemütlich gemacht und die erste halbe Stunde des Spektakels verfolgt. Danach haben wir beschlossen zum Schloss weiterzugehen, in der Hoffnung, dieses mehr oder weniger für uns zu haben, was auch gut geklappt hat. Auf einen Audio Guide habe ich verzichtet, da ich mir hinterher sowieso noch ein Buch über das Schloss kaufen wollte, aber auch so war die Beschilderung in den einzelnen Räumen auf jeden Fall ausreichend - die Geschichte von Heinrich VIII und Anne Boleyn kenne ich ja sowieso mehr oder weniger auswendig! ;-)

Nach der Besichtigung des Schlosses sind wir noch ein wenig durch die Gärten spaziert (ins Labyrinth haben wir uns nicht getraut ;-) und dann zum Auto zurück gelaufen, denn wir wollten heute eigentlich noch nach Battle und uns die dortigen Sehenswürdigkeiten anschauen. Leider sind wir dort erst gegen 18 Uhr - pünktlich zur Schließung der Tore - angekommen, waren aber gleich begeistert von dem hübschen Örtchen, so dass wir beschlossen, gleich nach dem Frühstück am nächsten Morgen wieder hierher zu fahren.


So ging es für heute erst mal weiter an die Küste, wo ich in St.Leonards-on-Sea bei Hastings ein hübsches - mit 79 Pfund aber leider auch ziemlich teures - Bed-and-Breakfast, das Sea Spirit Guest House, reserviert hatte. Nach einer netten Begrüßung durch den Eigentümer haben wir nur schnell unsere Sachen auf's Zimmer gebracht und sind dann gleich weiter nach Hastings gefahren.

Inzwischen waren wir ziemlich hungrig und wollten daher als erstes irgendwo Essen gehen, bevorzugt in einem typisch englischen Pub. Leider gestaltete sich dies zu unserer Verwunderung als nicht all zu einfach, denn in den Pubs, die wir angesteuert haben, gab es jeweils ab 18 Uhr kein warmes Essen mehr und die "richtigen" Restaurants waren allesamt voll besetzt ("do you have a reservation?").

Letztendlich haben wir uns unser Abendessen jeweils an einer der vorhandenen Imbissbuden besorgt - ich habe mir eine Tüte Fish-and-Chips und Nicole sich eine Portion thailändische Nudeln geholt. Da ich großen Hunger hatte und mir bei der Größe der Portionen nicht sicher war, hab ich sowohl den Fisch als auch die Chips in "large" bestellt, was zur Folge hatte, dass ich im Grunde für zwei Essen musste (was ja eigentlich auch stimmt ;-) und am Ende den Rest des Essens an die gierigen Möwen verfüttert habe.

  George Street in Hastings

Nach dem Essen sind wir noch ein wenig durch die Gassen spaziert, haben aber nichts gefunden, was uns begeistert hätte. Vor allem ich war ziemlich enttäuscht von Hastings, war ich doch vor drei Jahren so hin und weg vom Nachbarort Eastbourne. Im Vergleich dazu wirkte Hastings regelrecht heruntergekommen und die Leute in den Straßen waren mir auch nicht so ganz geheuer. Na ja, da wir ohnehin müde waren, sind wir recht bald zurück zu unserem Bed-and-Breakfast gefahren, wo wir es uns noch eine Weile mit unseren Büchern gemütlich gemacht haben.




:: Hastings - Battle Abbey & Battlefield - Arundel Castle - Chichester - Portsmouth ::

Da ich vergessen hatte, die englische Zeit auf meinem Handy einzustellen, fing dieses bereits um 6:15 Uhr an zu dudeln - eigentlich hatte ich mit Nicole am Vorabend eine Weckzeit von 7:15 Uhr vereinbart. Da wir aber zum Glück beide schon mehr oder weniger wach waren, war dieses Versehen nicht gar so schlimm, trotzdem etwas peinlich. Lustigerweise sind wir dann beide nochmal eingedöst und hätten dann tatsächlich fast verschlafen, wie ich nach dem Aufwachen und einem erschreckten Blick auf die Uhr - schon kurz nach 7:30 Uhr, um 8 Uhr wollten wir frühstücken - festgestellt habe.

Na ja, letztendlich waren wir pünktlich beim Frühstück, wo ich ein "Full English Breakfast" und Nicole eine vegetarische Variante davon genossen habe. Danach haben wir unsere Koffer geholt, schnell den Schlüssel abgegeben und ab ging es zurück nach Battle, wo wir uns die Abbey und das Schlachtfeld ansehen wollten, da wir es am Vortag ja nicht mehr geschafft hatten. Da beides erst um 10 Uhr öffnen sollte (blöde Öffnungszeiten haben die hier; alles macht erst relativ spät auf und auch schon wieder verhältnismäßig früh zu) sind wir erst noch ein wenig durch das hübsche Örtchen spaziert, um dann kurz nach der Öffnung der Tore bereit zu stehen.


1066 - The Battle of Hastings

 

Bevor es mit meinem Reisebericht weitergeht, hier ein paar Informationen zu der Schlacht im Jahr 1066:

Seit 1042 herrschte der angelsächsische König Eduard der Bekenner über England. Er verstarb am 5. Januar 1066 kinderlos. Kurz vor seinem Tod hatte er sich dem Adel gebeugt und Harold Godwinson zu seinem Thronfolger bestimmt. Er wurde als Harold II. zum neuen König von England gekrönt, doch bereits nach kurzer Zeit wurde ihm der Königstitel streitig gemacht - sowohl von seinem Bruder Tostig als auch von dem normannischen Herzog Wilhelm. Letzterer berief sich dabei auf ein angebliches Versprechen, das ihm Eduard während seines langen Aufenthalts in der Normandie gegeben haben solle. Außerdem habe Harold Godwinson wenige Jahre vor seiner Krönung einen Eid abgelegt, mit dem er Wilhelm Treue geschworen und auf den Königstitel verzichtet habe.

Im Frühjahr 1066 begann Wilhelm mit der Organisation eines Feldzuges. Er ließ eine große Transportflotte bauen und rekrutierte zahlreiche Kämpfer. Am 28.09.1066 ging er ungehindert in Pevensey an der südenglischen Küste an Land. Wilhelm stationierte etwa 1.000 Fußsoldaten in der Stadt und begab sich nach einer mehrtägigen Plünderung des Umlands mit dem restlichen Heer nach Hastings.

Harold II. hatte sich in der Zwischenzeit in einem Gewaltmarsch mit den unverletzten Kämpfern seines Heeres, mit dem er zuvor in Stamford Bridge bei York seinen Bruder Tostig besiegt hatte, ebenfalls auf den Weg nach Hastings.


Am 13.10. bezog er mit seinen Kämpfern auf dem Senlac-Hügel Stellung. Am Morgen des 14. Oktober traf das normannische Heer vor dem Hügel ein und begab sich in Gefechtsordnung. Es folgte die mit einer Dauer von etwa neun Stunden längste Schlacht des europäischen Hochmittelalters, die ihr Ende im Tod Harolds II. fand - die einen sagen, bei einem Angriff der normannischen Reiter, die anderen behaupten, er wäre von einem Pfeil direkt ins Auge getroffen worden.

Die Schlacht von Hastings war der erste und wichtigste Erfolg Wilhelms bei seiner Eroberung von England. Er ließ sich am Weihnachtstag 1066 in Westminster Abbey als Wilhelm I. zum König von England krönen und sicherte seine Herrschaft u.a. mit der Enteignung der meisten angelsächsischen Adligen, die er durch Normannen ersetzen ließ. Wilhelm errichtete eine normannische Zentralverwaltung und schuf ein englisches Lehnswesen. Das normannische Französisch wurde zur Sprache der englischen Oberschicht, Verwaltung und Justiz, doch sprach die große Mehrheit der Bevölkerung weiterhin Angelsächsisch.

Hier gibt es ein sehr gut gemachtes Video zu dem Thema - viel Spaß!


Gleich nach Betreten des Geländes von Battle Abbey & Battlefield haben wir uns einen kostenlosen Audio Guide geschnappt und sind als erstes ins Museum marschiert, in dem die Geschichte der Schlacht anschaulich dargestellt wurde und man auch rekonstruierte Waffen aus der damaligen Zeit "ausprobieren" konnte (so ein Schwert ist auf Dauer bestimmt ganz schön schwer, puh).

Vom Battlefield selbst hatte ich mir vor der Besichtigung nicht all zu viel versprochen, doch muss ich nun sagen, dass mich gerade dieses sehr beeindruckt hat. Vielleicht weil ich schon so viel über die Schlacht gelesen hatte, die hier im Jahre 1066 die Geschichte des Landes nachhaltig beeinflusst hat, vielleicht auch, weil der Audio Guide, der uns während dem Spaziergang rund um das ehemalige Schlachtfeld begleitet hat, so anschaulich "von damals" erzählt hat, es war auf jeden Fall ein beeindruckendes Erlebnis, an Ort und Stelle des Geschehens zu stehen.

 

Battle Field


Jedes Jahr zum Jahrestag (bzw. am dem 14. Oktober nächstliegenden Wochenende) der Schlacht spielen hier übrigens Reenactment-Gruppen aus ganz Europa die Schlacht nach, was bestimmt interessant anzuschauen ist.


Teil der ehem. Abtresidenz

 

Jedes Jahr zum Jahrestag (bzw. am dem 14. Oktober nächstliegenden Wochenende) der Schlacht spielen hier übrigens Reenactment-Gruppen aus ganz Europa die Schlacht nach, was bestimmt interessant anzuschauen ist.Nach einem etwa einstündigen Rundgang entlang des Battlefields haben wir uns schließlich noch die Überreste der Abtei (mit vollem Namen: St. Martin's Abbey of the Place of Battle) angeschaut, von der aber im Grunde nur noch die Grundmauern der Abteikirche sowie die ehemaligen Schlaf- und Aufenthaltsräume der Mönche erhalten sind (die Abtei wurde 1538 während der Auflösung der englischen Klöster aufgehoben und größtenteils zerstört).

Der Bau der Abtei wurde übrigens angeblich von König Wilhelm dem Eroberer befohlen, um am Ort der Schlacht von Hastings deren Opfer zu gedenken. Der Altar sollte an der Stelle stehen, an der König Harald II. gefallen war (die Stelle ist heute durch eine Gedenkplatte auf dem Boden markiert). Der Bau wurde 1070 in Angriff genommen, aber erst lange nach Wilhelms Tod vollendet.


Da es inzwischen bereits später Mittag war, entschieden wir ohne lange Diskussion, dass wir auf den Besuch des Bodiam Castle verzichten würden und stattdessen lieber gleich nach Arundel zu fahren, wo wir uns das dortige Schloss anschauen wollten. Eine gute Entscheidung, denn für die Fahrt entlang der Küste - unter anderem durch Eastbourne und Brighton - haben wir rund zwei Stunden benötigt, so dass wir erst um kurz nach 15 Uhr in Arundel ankamen.


Die mächtige Festung des Arundel Castle, die hoch über dem gleichnamigen Städtchen wacht, ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen und eines der eindrucksvollsten Schlösser in Großritannien. Die Gründung geht auf Eduard den Bekenner (11. Jahrhundert) zurück und wurde ursprünglich als Erdhügelburg auf einer Motte (heute historisches Zentrum des Schlosses) erbaut, im Laufe der Jahrhunderte aber immer mehr erweitert und mehrfach umgebaut. Seit dem 16. Jahrhundert ist sie im Besitz der Dukes of Norfolk, der ältesten römisch-katholischen Familie des Landes.

Am Eingang des beeindruckenden und fast wie ein Märchenschloss aussehenden Arundel Castle bekamen wir zu unserer Freude die Eintrittskarten von zwei jungen Frauen geschenkt, deren Karten offenbar nicht kontrolliert, d.h. noch gültig waren. Diese galten zwar nicht für den Eintritt in die State Rooms, aber wir waren sicher, dass wir das am Eingang zum Schloss noch hätten nachzahlen können.

 

Arundel Castle


Castle Gardens, Arundel

 

Dummerweise haben wir uns so lange in den wunderschönen Gärten aufgehalten, dass wir nicht nur durch unsere Knipserei komplett die Zeit vergessen haben und erst nach Schließung der Innenräume des Schlosses dort ankamen, wo wir auch nach Nicoles freundlicher Nachfrage nicht mehr eingelassen wurden. Wirklich schade, wir waren nur froh, dass wir ein "kostenloses" Ticket hatten, denn sonst hätten uns die quasi umsonst ausgegebenen 14 Pfund, die ein Ticket inkl. Rooms gekostet hätte, ganz schön geärgert.

Aber wie gesagt waren wir von den Gärten so begeistert, dass wir unseren Ausflug zum Arundel Castle als nicht ganz umsonst angesehen haben und auch der Ort, in dem wir später noch ein wenig spaziert sind, hat uns gut gefallen und ist einen kurzen Rundgang wert.



Obwohl es bereits recht spät und wir bereits etwas müde von den vielen Eindrücken des Tages waren, haben wir uns entschieden, auf der Weiterfahrt nach Portsmouth noch einen Stop in Chichester einzulegen, da uns dieses Städtchen von meinem Reiseführer wärmstens empfohlen wurde. Schnell haben wir einen Parkplatz in Nähe des Stadtzentrums gefunden, wo wir uns dann aber doch nicht all zu lange aufgehalten haben, denn wirklich vom Hocker gerissen hat uns die Stadt nicht.


Der Innenstadtbereich ist verhältnismäßig modern und bietet als Sehenswürdigkeiten im Grunde nur das spätgotische Marktkreuz sowie die 1108 geweihte Kathedrale. Trotz Plünderungen im Bürgerkrieg bietet die Kathedrale viel Sehenswertes: einen frei stehenden Glockenturm (1436), zwei romanische Sandsteinreliefs (1140) sowie moderne Gemälde von Graham Sutherland (1903-80) und ein Buntglasfenster von Marc Chagall (1889-1985).

Nach der Besichtigung der Kathedrale führte uns ein kurzer Spaziergang noch zum Bischofspalast, der jedoch für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Da es inzwischen bereits fast 19 Uhr war, machten wir uns bald auf den Rückmarsch zum Auto, denn wie gesagt wollten wir heute noch nach Portsmouth weiter fahren.

Dummerweise hatte unser Navi mittlerweile den Geist aufgegeben, so dass wir komplett orientierungslos in Portsmouth angekommen sind.

 

Chichester Cathedral


Zwar hatten wir den Namen sowie die Adresse unseres Hotels, aber keine Ahnung, wo wir hinfahren mussten und Portsmouth ist mit über 200.000 Einwohnern auch nicht gerade eine Kleinstadt. Immerhin wussten wir, dass die Unterkunft nur wenige Minuten zu Fuß von der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, den Historic Dockyards, entfernt sein sollte, so dass wir unser Auto dort geparkt und in einer Taxizentrale, auf die wir glücklicherweise schnell gestoßen sind, nach dem Weg fragen konnten. Die Beschreibung hörte sich einfach an und tatsächlich, nach nur wenigen Minuten hatten wir unser Hotel, das Duke of Buckingham B&B, gefunden und konnten nach einem Anruf beim Night Manager (die Türen waren bereits geschlossen) einchecken.

Auch diesmal haben wir nur wieder schnell unsere Koffer ins Zimmer gebracht und sind dann gleich wieder los um Essen zu gehen. Laut der Angestellten vom Hotel sollten wir zum Shoppingcenter Gunwharf Quays laufen, da dieses erstens nur ca. zehn Minuten Fußmarsch vom Hotel entfernt sein und zweitens jede Menge Restaurants bieten sollte. Dort angekommen sind wir schnurstracks zu "Jamie's Italian" marschiert, einem Restaurant des berühmten Fernsehkochs Jamie Oliver, das hier in ansprechendem Ambiente italienische Küche präsentierte. Zunächst mussten wir jedoch auf einen freien Tisch warten, wozu wir einen Piepser bekamen, der schließlich nach nur wenigen Minuten wie wild zu vibrieren und zu piepsen anfing. Sogleich wurden wir an einen freien Tisch gebracht, wo wir unsere Bestellungen aufgaben und gespannt auf das Essen warteten. Beide waren wir begeistert, es war wirklich lecker - wenn auch nicht gerade eine "üppige Portion" - und nach einer abschließenden Süßspeise sind wir satt und zufrieden zurück zum Hotel marschiert.




:: Portsmouth Historic Dockyards - Winchester - Gatwick - München ::

Da in unserer Unterkunft kein Frühstück angeboten wurde, mussten wir heute zum Frühstücken in ein nahe gelegenes Café gehen. An einem Fensterplatz mit direktem Blick auf die Portsmouth Cathedral haben wir uns dieses schmecken lassen und sind dann zum Auschecken nochmal zurück ins Hotel. Da wir den Parkvoucher leider nicht bis mittags behalten durften, sind wir mit dem Auto in den Hafenbereich gefahren, wo wir zum Glück schnell einen Parkplatz gefunden haben. Ich wollte mir nun die Portsmouth Historic Dockyards anschauen, während Nicole einfach ein wenig bummeln wollte, da ihr der Eintritt zu hoch war. Tatsächlich empfand auch ich die 21,50 Pfund (= 25 Euro) als ziemlich teuer, aber ich hatte mich schon so auf die Schiffe und vor allem das Mary-Rose-Museum gefreut, dass ich schließlich doch in den sauren Apfel gebissen habe.


HMS Warrior

 

Bei strahlendem Sonnenschein und weit über 20 Grad Celsius habe ich den Vormittag dann aber auch in vollen Zügen genossen. Als erstes habe ich - fast allein, was vor allem in den dunklen Maschinenräumen ganz unten im Schiff ziemlich unheimlich war - die HMS Warrior aus dem Jahr 1860 angeschaut.

Die HMS Warrior war das erste ozeantaugliche Panzerschiff mit eisernem Rumpf. Sie wurde von der Royal Navy als Gegenmaßnahme zum französischen Panzerschiff La Gloire gebaut. Sie gab der gleichnamigen Schiffsklasse ihren Namen und war das Schwesterschiff der Black Prince. Als sie vom Stapel lief, war sie durch ihren 4,5 Zoll dicken geschmiedeten Eisengürtel praktisch unverwundbar für die Geschosse der zur Zeit ihres Baus gebräuchlichen Schiffsartillerie. Um die Sinksicherheit noch weiter zu verbessern, war der Rumpf in 92 wasserdichte Abteilungen unterteilt und besaß unterhalb von Maschinenanlage und Munitionsräumen einen Doppelboden.


Der rasante Fortschritt der Marinetechnologie ließ sie und ihr Schwesterschiff Black Prince innerhalb von 10 Jahren veralten. Am 1. April 1875 wurde sie der Reserveflotte zugeordnet und am 31. Mai 1883 vom Seedienst abgezogen. Ihre Kanonen und die oberen Masten wurden um die gleiche Zeit entfernt. Ihr Rumpf wurde als Lager verwendet, und von 1902 bis 1904 diente sie einer Kreuzerflottille als Depot. Ein Abschwung in der Nachfrage nach Schrott bewirkte, dass sie sich am 25. April 1925 nicht wie geplant zur Verschrottung verkaufen ließ und diente fortan als Unterkunft für einen Seemann und als schwimmender Tank in der Marinewerft Pembroke in Wales. Dort blieb sie die folgenden 50 Jahre. Die Restaurierung zum Museumsschiff begann 1979 in Hartlepool und wurde 1984 abgeschlossen. Dann wurde sie zu ihrem gegenwärtigen Liegeplatz in Portsmouth geschleppt.


Da ich bis zu meiner geplanten Hafenrundfahrt um 11 Uhr noch ein wenig Zeit hatte, bin ich als nächstes ins Mary-Rose-Museum (= einstiges Flaggschiff Heinrichs VIII, das 1545 auf ihrer Jungfernfahrt im Kampf gegen die Franzosen kenterte) gegangen, was aber keine so schlaue Idee war, denn aufgrund der geplanten Schiffsfahrt musste ich ständig auf die Uhr schauen und konnte mir an den einzelnen Ausstellungsstücken nicht allzu viel Zeit lassen. Viel gab es allerdings auch gar nicht zu sehen, trotzdem fand ich das Museum interessant, denn die Objekte aus dem 16. Jahrhundert, die bei der Bergung im Jahr 1982 ans Tageslicht kamen und nun im Museum ausgestellt sind, vermitteln einen faszinierenden Eindruck davon, wie man vor 450 Jahren gelebt hat.

Um kurz vor 11 Uhr stand ich dann bereits wieder in der Sonne und wartete auf den Einlass auf den Catamaran "Solent Cat", mit dem ich eine Rundfahrt durch den Hafen von Portsmouth machen wollte, der nach wie vor der Royal Navy gehört und daher viele Kriegsschiffe (aircraft carriers as well as a fleet of destroyers, frigates, mine warfare ships and offshore patrol vessels) beheimatet. Während der Fahrt wurde viel erzählt, aber leider habe ich nur wenig verstanden. Trotzdem fand ich es einfach schön, an Bord zu stehen, denn das Wetter war, wie gesagt, phantastisch!

Nach einer Dreiviertelstunde durch den Hafen wurden wir dummerweise an den Gunwharf Quays rausgelassen, was ich insofern nicht ideal fand, da man von dort ca. zehn Minuten zurück zu den Historic Dockyards benötigt und wenn man, wie ich, nicht allzu viel Zeit zur Verfügung hat (bereits in zwanzig Minuten wollte ich mich wieder mit Nicole treffen), zählt jede Sekunde! ;-)

 

Spinnaker Tower


Ich hab mich dann sogleich auf den Weg zur HMS Victory gemacht, aber unterwegs bin ich noch auf die Ausstellung "HMS Victory's Trafalgar Sail" gestoßen, die ich spontan angesteuert habe. Und wie oft, wenn man nicht viel erwartet, ist man hinterher umso begeisterter: Man betrat einen dunklen Raum, in dem man das Segel mehr erahnen als wirklich sehen konnte und es wurde ein kurzer Film gezeigt, der mit beeindruckenden Bildern die Schlacht bei Trafalgar zeigte. Im Anschluss an den Film wurde das Segel, das - wie gesagt - vor einem auf dem Boden ausgebreitet lag, etwas mehr angestrahlt und es wurden interessante Details erzählt (hier vorerst Auszüge auf englisch aus einem Prospekt, den ich vor Ort mitgenommen habe):

HMS Victory's fore topsail is unique. As the only surviving example in the world of an early 19th century sail, it is an invaluable source of information about both sail making and the sailing navy.

Beside the Victory herself, the sail is the largest single artifact to survive from the Battle of Trafalgar. It is approximately 320 square metres in area and is pockmarked by some 90 shot holes. Miraculously saved after being stored in Chatham Sail Loft in 1806, the sail was later returned to the Victory where in recent years it has been extensively analysed and conserved.

To celebrate this year's 200th Anniversary of Trafalger, one of the most decisive battles in naval history, HMS Victory's fore topsail is on display in Storehouse 10. The storehouse itself was built to provision the fleet in the 1770s.


HMS Victory

 

Nun musste ich mich aber wirklich sputen, denn es war bereits kurz nach 12 Uhr und ich wollte vor dem Treffen mit Nicole (das wir um eine halbe Stunde nach hinten verschoben haben) wie gesagt noch unbedingt die HMS Victory anschauen, das älteste im britischen Marinedienst befindliche Schiff. Bekanntheit erlangte die Victory als Flaggschiff von Vizeadmiral Nelson in der Seeschlacht von Trafalgar. Der Ort im Inneren des Schiffes, an dem Nelson - von der Kugel eines französischen Schützen getroffen - am Tag der Schlacht starb, ist heute mit einem Gedenkstein versehen.

Leider hat direkt vor mir eine Schulklasse das Schiff betreten, so dass ein ziemliches Gedränge herrschte, trotzdem war die Besichtigung interessant, wenn auch etwas anstrengend, da die Raumhöhe sehr niedrig war und man ständig gebückt laufen musste - mit meinem Babybauch nicht wirklich einfach.


Schließlich hatte ich alles gesehen, was ich sehen wollte - wenn auch in ziemlich komprimierter Form, denn hier in den Historic Dockyards kann man sich locker einen ganzen Tag aufhalten - und bin zum Treffpunkt marschiert, wo Nicole bereits auf mich gewartet hat. Auch sie hat sich einen schönen Vormittag gemacht und ebenfalls eine Hafenrundfahrt unternommen, von der sie mit deutlich roten Bäckchen zurückgekehrt ist. Unsere Männer werden sich heute Abend am Flughafen wundern, uns mit Sonnenbrand begrüßen zu dürfen, denn von beiden durften wir uns vor unserer Abreise Sprüche über das "englische Wetter" anhören! ;-)


Da es inzwischen bereits recht spät war, waren wir etwas unschlüssig, ob wir unseren ursprünglichen Plan - noch nach Winchester zu fahren - beibehalten sollten, denn spätestens um 17 Uhr mussten wir am Flughafen sein und hatten bis dahin noch eine ziemliche Strecke zu fahren. Wir haben dann aber beschlossen, es einfach zu versuchen und dann vor Ort zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Und wieder haben wir unsere Entscheidung nicht bereut, denn Winchester - bis zur Eroberung durch die Normannen Hauptstadt des angelsächsischen Königreiches Wessex und später von ganz England - gefiel uns auf Anhieb.

Als erstes haben wir die Kathedrale angesteuert, die wir jedoch nur von Außen bestaunt haben, da uns der Eintrittspreis von 10 Pfund doch etwas zu hoch war ("ist schließlich nur eine Kirche"). Die erste Kirche an dieser Stelle wurde 648 geweiht, der heutige Bau 1079 begonnen. Die normannische Architektur des Komplexes, der einst ein Benediktinerkloster beherbergte, ist trotz vieler Umbauten größtenteils erhalten.

 

Winchester Cathedral


Weiter ging es - im wahrsten Sinne des Wortes planlos - auf der Suche nach dem "Round Table" von König Arthus, erstmal in die komplett falsche Richtung zum Wolvesey Castle aus dem 12. Jahrhundert, welches den Bischöfen der Kathedrale bis zum Normanneneinfall als Wohnsitz diente. Heute sind hiervon nur noch Ruinen zu sehen, immerhin ist der Eintritt kostenlos.

Auf einem Wegweiser in der Nähe der Kathedrale entdeckten wir schließlich auch den richtigen Weg zu unserem gesuchten Round Table. Es war zwar mittlerweile zeitlich etwas knapp, aber hier wollten wir dennoch unbedingt noch schnell hin.


Round Table

 

Der Round Table befindet sich in einem Palas aus dem 13. Jahrhundert, der einen Vorgängerbau ersetzte und einzigem Überbleibsel einer der ersten Burgen, die William the Conqueror hier errichten ließ. Mitten in der Great Hall hängt (!) nun also der legendäre Tisch, an dem King Arthur seine Tafelrunde abgehalten haben soll. Angeblich vom Zauberer Merlin geschaffen, stammt der Tisch jedoch nachweislich aus dem 13. Jahrhundert.

Bis zur Eroberung durch die Normannen war Winchester Hauptstadt des angelsächsischen Königreiches Wessex und später ganz Englands. William the Conqueror errichtete hier eine seiner ersten Burgen, von der nur der Palas erhalten ist, der 1235 einen Vorgängerbau ersetzte. Heute steht hier der legendäre Round Table, an dem King Arthur seine Tafelrunde abgehalten haben soll. Angeblich vom Zauberer Merlin geschaffen, stammt der Tisch jedoch nachweislich aus dem 13. Jahrhundert.


Nur wenig später als geplant haben wir schließlich Abschied genommen und sind über die M3 sowie die Ring Road rund um London, auf der dichter Verkehr herrschte, zum Flughafen Gatwick gefahren, den wir aber pünktlich erreichten. Der Flug ging schließlich eine halbe Stunde verspätet um ca. 19 Uhr los, trotzdem kamen wir pünktlich zur eigentlich geplanten Zeit in München an, wo wir bereits von unseren Männern und meiner kleinen Maus erwartet wurden.




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 © 2011 by Heike Eckardt